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Die historische Bedeutung von Ferula, Fürtuch, Kerze und silberner Medaille

Die Geschichte der Münchener Brauereien und die Historie des Münchner Brauwesens beinhalten neben technischen Errungenschaften, wie z.B. der Kältemaschine, insbesondere wichtige kulturhistorische Momente und volkskundliche Aspekte.

Das Münchner Reinheitsgebot vom 30. November 1487, der Grundstein des bayerischen Reinheitsgebotes von 1516, ist hierbei wohl als der wichtigste Moment in der Geschichte des Münchner Brauwesens zu bezeichnen.

Was die volkskundlichen Aspekte betrifft, so stellen sich diese in Sitten und Brauchtum sowie in äußeren Zeichen und Gegenständen, wie der Ferula, dem Fürtuch, der Kerze und der silbernen Medaille dar.

Wie der Handwerksordnung der Münchner Bierbrauer von 1660 zu entnehmen ist, begann die offizielle Lehrzeit des Lehrlings mit der "Aufdingung" und endete mit der "Ledigzählung". Die Lehrzeit diente dazu, "daß derselb (der Lehrling) nach vollstreckter Lehrnzeit in der Handwerchsarbeit nottdürftige wissenschaft haben und für einen Khnecht bestehen möge."

Nach erfolgreicher Lehrzeit musste der Lehrling "Handtwerchsgebrauch gemäss ledig gezöhlt und zu einem Khnecht freygesprochen" werden.
Die Lehre war jedoch, im Gegensatz zu heute, vom Lehrling zu bezahlen. Bei der "Aufdingung" hatte der Lehrjunge eine Aufnahmegebühr in die "Handwercksbüchse" zu bezahlen. Diese betrug in München ein Pfund Pfennig und zwei Gulden für die Mühewaltung der "Vierer", wobei es sich bei den "Vierern" um die Zunftmeister handelte.

Daneben hatte der Lehrjunge wie der Meister einen jährlichen Beitrag in die Zunftkasse zu leisten. Diese Gelder oder Sachleistungen dienten "für daz mal und all sach, damit sy ir hütten, leichtuch und kerzen machen und pess(er)n mögn." An diese Tatsachen erinnern die silberne Medaille sowie die Kerze, die den Jungbrauern überreicht werden.

Die Ferula bzw. das Fürtuch haben mehr mit dem Ende der Lehrzeit, der "Ledigzählung" zu tun.

Für viele Zünfte war die Ferula ein Erkennungszeichen, das die Boten (Umsagkhnechte) beim Botengang mit sich führten. Die Ferula der Brauer war meist ein „Ladestock“, eine geschnitzte hölzerne Zierleiste mit dem Braueremblem. Sie wurde von den Lehrlingen oder Umsagkhnechten mitgeführt, wenn sie von ihren Zunftmeistern beauftragt waren, Meister und Gäste einzuladen.

Mit dieser Ferula wurde auch der Lehrling mit einem Schlag auf die Schulter zum Gesellen geschlagen.

Das Fürtuch (blaue Schürze) wurde bei der Freisprechung des Lehrlings gegen das weiße Fürtuch des gelernten Brauers vom "Umsagknecht" umgetauscht. In manchen Gegenden überreichte die Frau des Lehrmeisters das Fürtuch und der Geselle war danach berechtigt, mit ihr auf dem anschließenden Fest den ersten Tanz auszuführen. Dass die Frau des Lehrherrn das weiße Fürtuch überreichte, mag vielleicht auch darin begründet sein, daß der ehemalige Lehrjunge der Obhut der Familie des Lehrherrn mit der Freisprechung verlustig ging.

Wie dem Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens e.V. aus 1987 zu entnehmen ist, kannte ein in München ansässiger Brauer den bis ins 19. Jahrhundert hinein bei böhmischen Brauern üblichen Brauch. Nachdem München zusammen mit Salzburg, Wien, Böhmen und Schlesien als Folge der Gesellenwanderschaft für die Brauer ein Brauchtumsgebiet bildete, ist davon auszugehen, dass die Münchner ebenfalls die Bräuche mit Ferula und Fürtuch kannten und ausgeübt haben. Hierfür spricht auch die Tatsache, daß verschiedene Abbildungen aus Münchener Brauereien des 19. Jahrhunderts das Tragen des Fürtuches zeigen und damit beweisen.

Noch heute ist es darüber hinaus in vielen Brauereien üblich, dass der Biersieder im Gegensatz zum "Blaumann" des Brauereiarbeiters einen weißen Arbeitsanzug trägt.




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