Brief eines ehemals Bayerischen Abgeordneten zum Bier
Brief eines ehemals Bayerischen Abgeordneten zum Bier, schbeziell zum Minchner Bier Frei im Stil nach Ludwig Thoma (von RA Manfred Newrzella)
Liaba Schbäzi, gästern bin ich mid dem keniglichen Abgeordneten Irzinger aus dem keniglich bayrischen Barlamänd auf dem Okdoberfest gewesen und da sind wir so beieinander gsessen mid einem Mann der wo viel gewußd had über das Bier, grad so, wie es unsa Bräu dahoam tut. Nach so zwei Maß, ist man in das Disgudieren gekommen und wir habn uns über unser flüssiges Brot unterhalten. Has’d Du gewußd, daß schon 1280 im Salbuch vom Ludwig dem Strengen genau aufgeschrieben worden ist, was die Minchna Brauer an den damaligen Herzog zum zahlen gehabt haben tun? Ich nicht, aber da siehst Du einmal, das schon damals die Obrigkeid mid ihren Steuern gerade so akurat war, wie sie es heute tud. Has’d Du auch gewußd, daß 29 Jahr vor unserem weltberühmden Reinheitsgebot vom Wilhelm IV von 1516 die von Minchen schon ein eigenes gehabt habn?
Anno 1487 had der Albrecht IV, gesagt habn sie zu ihm „der Weise“, ein gar solchenes erlassen, quasi als eine Art Vorläufer und die Minchna Brauer tun sich heute noch daran halten tun. Nur aus sauberen Wasser, gutem Malz und erläsenem Hopfen tun sie nach alten überlieferden Rezepden a pfundigs und süffiges Bier braun. Wie der Mann gesagt had, genießt das Minchner Bier Weltruf. Liaba Schbäzi, indem das Du mir gesagt hast, das Du bei der Kommission dabei bist, welche die Bezihungen zu den Preussn aushandeln tun soll, hab ich mir gedachd, das es gut wäre, wenn ich Dir ein paar Radschläge mid auf den Weg gäben würde, was nicht so falsch sein kann.
Also, zum Ersden müssde, wenn man schon mid der Weimarer Rebublik zusammengehen tun will, das Reinheitsgebot im Reichsbiersteuergesetz drin stehen. Zum Zweiden müssden wir uns weiter Freistaad nennen dürfen, weil wir sind wir und lassen uns von denen da droben in Bärlin erst einmal gar nichts sagen. Und zum Dridden wollen wir weiter unseren eigenen Verdreda in Rom beim Papst habn. Du weißt, Freiheid, Kirche und das Bier sind die Grundelemende unserer geliebden Heimad Bayern. (Diese drei Voraussetzungen wurden tatsächlich erfüllt. Anm. d. Verfassers) Wir müssden blos obacht geben, das uns das Reinheitsgebot in der Zukunft nicht kapud gemachd wird, weil ich denge, das dies gerade die anderen eurobäischen Staaden irgendwann einmal nicht mehr passen täde. Es könnte ja sein, das die Sachen ins Bier hinein tun, die wo gar nie nicht hinein gehören tun. Der Mann von der Wies’n had aber gesagt, indem das er sich da auskennen würde, das des Minchner Bier sauber bleibt und nichts hinein kommen würde, was nicht hinein gehören tut, also nur Wasser, Malz und Hopfen und das dies für die Minchner Brauer eine Selbsdversdändlichkeit und heilig sei. Bei der dridden Maß sind wir auf das Minchner Wies’n-Bier im schbeziellen gekommen.
Das Bier ist dunkel, hell oder had die Farbe wie ein Bernstein. Es had mindesdens 13,5 Brozend Stammwürze, das sind cirka 5,7 Brozend Alkohol. Ausgeschegnd wurde das kühle und frische Bier aus 200 Liderfässern, die heißen „Hirschn“. Das hab ich auch nicht gewußd. In dem Zusammenhang had der Mann gemeint, das Bier könnte ja auch aus Stahldanks kommen, das wäre doch egal. Haupdsache wäre, meinte er, wenn das Bier aus einer von den leisdungsfähigen und bewährden Minchner Draditionsbrauereien kommen täde. Weiter had er gemeint, das das auch in die Vorschrifden für die Wies’n gehören täde und das man gleich hineinschreiben tun sollte, wer das ist, also die Brauereien beim Namen nennen. Weißt, da fällt mir gerade ein an Namen, der Augustinerbräu, der Hacker-Pschorr Bräu, der Löwenbräu, der Paulanerbräu, der Spatenbräu und der Hofbräu.
Bei der vierden Maß sind ein paar junge hübsche Dearndl zu uns an den Tisch gekommen. Die eine had gesagt, das sie aus Idalien kommen täde und die andere von den Franzosn. Beiden had das Bier schon gut geschmegd. Eine richdige Gaudi habn wir gehabt, das war grad wie eine Völkerversdändigung. Leider hab ich nachher auf meine Bahn müssn, aber zum Glück sind ein paar junge Burschen gekommen und habn weiter versucht die minchnerische Lebensard und das Heimadgefühl, das was in dem Bier drin ist, den Dearndl zu erklärn. Wie ich auf dem Heimweg in meinem Coupé gesessen bin und meine Virgschinia gerauchd hab, hab i mir dengd, das des mid dem Wies’nbier und dem Okdoberfest schon was besonders sein muß, denn nirgends wo auf dieser Welt sind so viele Menschen gleichzeidig friedlich beinander und genießen das Leben nach unserer alten Dradition „Leben und leben lassen“. Liaba Schbäzi, mid am Prosid der Gemüdlichkeid wünsche ich Dir alles Gute Dein J. Filser Poschd Schrcibdum: Nächste Woche müssde ich am Diensdag noch einmal ins Barlamänd, wenn Du meinen würdesd, könnten wir uns um 12 Uhr an der Bavaria treffen zu einer frischen Maß Minchner Wies’n- Bier.